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Die Geschichte des Zombie-Films
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GreatWhite
Geschrieben am: Fri, 14 December 2007, 10:46


Yakuza Kochclub Vorsitzender


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Einen originellen Beitrag möchte ich Euch nicht vorenthalten, den der Verfasser eines Branchen-Magazins verfasst hat und den ich mehr als interessant finde.

Zitat (Doppelklick zum übernehmen)
Der gefragte Menschenfresser: Zur Geschichte des Zombiefilms

Nicht Folterhorror oder Teen-Slasher, sondern Zombiefilme sind das Ding der Stunde im boomenden Horrorgenre. Von der Zensur beerdigt und in den 90ern fast vergessen, feiert der untote Kannibale fröhliche Wiederauferstehung in den Hommagen und Parodien seiner selbst zu Filmemachern gewordenen Fans. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Will der Mensch gefressen werden? Die Häufigkeit von Weißen Haien auf den Covern von Taucherzeitungen spräche dafür. Das Tabu, an das der Zombiefilm rührt, ist ein essentielles. Denn es geht ja nicht um das Gefressenwerden von irgend etwas, sondern von Menschen wie du und ich. Die Rede ist nicht von dem ursprünglichen Zombie, wie er der Legende nach auf karibischen Plantagen Frondienste leistet. Der Zombie, den die Leute kennen und schätzen, stammt aus vierzig Jahren Horrorfilm. Er riecht nach Moder, bewegt sich unnatürlich und hat gewiss keinen Pulsschlag. Er giert nach Menschenfleisch, und nur die beherzte Zerstörung seiner sonstenfalls nutzlosen Schaltzentrale im Schädel kann ihn stoppen. Dafür eignen sich am besten Schrotflinten. Im Film.

Lässt man Jacques Tourneurs "Ich folgte einem Zombie" als zu nah an der kolportierten Wirklichkeit und wenig genretypisch außen vor, beginnt der ganze Rummel mit George A. Romeros "Night of the Living Dead" aus dem Jahr 1969. Dort tauchen Zombies zum erstenmal als klinisch tote Menschenfresser und Zerrspiegelbilder der Lebenden auf, auch das bis heute gültige Belagerungsszenario skizziert der Werbefilmer aus Pittsburgh. Politische Anspielungen, ein schwarzer Held und böse Spießer machen das spottbillig produzierte, schwarzweiße Autokino-B-Movie auf dem Höhepunkt der Anti-Establishmentbewegung zum Studentenkultfilm und bürgen für gute Reviews rund um den Globus. 1978 zieht Romero dieselben Register zu vage verbesserten Budgetbedingungen und tritt mit "Dawn of the Dead" (dt. "Zombie") eine weltweite Zombiefilmwelle los. Besonders in Europa zieht "Zombie" helle Scharen in die Kinos, so dass die auf Trendreiterei spezialisierten italienischen Genrefilmer alle Regler nach rechts reißen und fortan harten Horror statt Polizeifilme und Spaßwestern produzieren. Titel wie "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies", "Hölle der lebenden Toten" oder "Man Eater" wechseln einander in den Kinos ab und versetzen besonders in Deutschland Jugendschützer in helle Aufregung. Derweil titeln Verleihe gefloppte Horrorfilme jeder Art zu Zombiefilmen um und schicken diese nicht selten mit Erfolg ein zweites Mal an den Start. Der Boom vollzieht sich parallel zum Siegeszug von Video als Massenmedium, und weil es in dessen Frühzeit mit Jugendschutz nicht weit her ist, frühstücken hier und da anscheinend Siebenjährige mit "Ein Zombie hing am Glockenseil". Eine empörte TV-Aufklärungssendung heißt "Mama, Papa, Zombie" und macht im Verbund mit der Bundesprüfstelle dem Spuk ein Ende. Nacheinander landen die schillerndsten Exemplare des Zombiefilms auf dem Index, und als der deutsche und englische Markt auf diese Weise wegbrechen, lohnt sich für die Italiener das Geschäft nicht mehr. 1985 ist das Subgenre in Europa praktisch tot. Im krassen Gegensatz zu seiner Fanszene.

Zwar steckt ein bisschen Zombie auch in Jason Vorhees und Freddy Krueger, doch so umfassend auf den Zombie angesprungen wie die Europäer sind die Amerikaner nie. So dreht man in Hollywood nach "Dawn of the Dead" ein halbes Jahrzehnt lang einen Tote-Teenager-Film nach dem anderen, aber keinen Zombiefilm von Bedeutung. Erst Mitte der 80er entstehen drei US-Zombiefilme von Format. Das Musikvideo zu Michael Jacksons "Thriller" (Regie: John Landis) begleitet den Aufstieg von MTV, in der Komödie "Return of the Living Dead" (dt. "Verdammt, die Zombies kommen") von "Alien"-Autor Dan O'Bannon lernen die Zombies laufen (im Sinne von rennen), und in "Day of the Dead" (dt. "Zombie 2 - Das letzte Kapitel") von Altmeister George Romero streiten Weißkittel wortreich mit Uniformen. Mancher findet das kritisch, doch die Mehrzahl hätte lieber mehr Gemetzel als Debatte gesehen. Der deutsche Staatsanwalt verbietet den inzwischen arte-reifen Horrorfilm trotzdem. Die späten 80er und frühen 90er gelten zombiemäßig als Dürreperiode. Gleichwohl brechen gerade in dieser Zeit herausragende Genrebeiträge der Zombie-Liebesgeschichte die Bahn: In "Braindead" vom Neuseeländer Peter Jackson, einer Art "Arsen und Spitzenhäubchen" mit wahren Bergen zerhackter Leiber, ersetzt der Rasenmäher den Kopfschuss, während in dem wunderbar poetischen "DellaMorte DellAmore" sowie Brian Yuznas "Return of the Living Dead 3" Lebende ihr Herz an Tote verlieren. Und noch eine irreversible Entwicklung nimmt ihren blutigen Anfang: Bezahlbare Camcorder lassen Zombiefilmfans als Filmemacher aktiv werden. Von Schottland bis Oberbayern drehen forsche Amateure ein Splattermovie nach dem anderen, und gewiss die Hälfte davon fällt in den Bereich Zombiefilm. Meisterwerke sind selten darunter, doch Käufer genug zum weitermachen finden sich genauso wie Staatsanwälte, die sich aufregen.

Seit 2002 sind die lebenden Toten wieder in aller Munde. Sie hatten noch gefehlt, nach der Renaissance der Messerstecher, Vampire, Kettensäger, Inzuchtkannibalen. In vorderster Linie stehen genau wie 1980 Romero und die Europäer - mit Engländern statt Italienern. Danny Boyles "28 Days Later" (am 14. Januar erscheint die Fortsetzung "28 Weeks Later ") eröffnet die Schlacht und gibt die konservative Richtung vor: Militär gegen Zivilisten, Menschenfresser mit Hirn nur zum zerschießen, Belagerungsszenarien. Alle haben schließlich bei Romero in der Schule gesessen. Nur das Lauftempo und die Schnittfrequenz haben sich erhöht. In dieselbe Kerbe schlägt "Dawn of the Dead" von 2004, wo der spätere "300"-Macher Zack Snyder Romero ein direktes Remake erweist. Hochgeschwindigkeitsattacken, finale Flucht im Battletruck und Johnny Cash, sonst wenig Neuigkeiten. Doch die erwartet auch keiner. Über gut gefüllte Standartformeln freut sich niemand so sehr wie der Horrorfan. Leatherface fängt ja auch nicht an, mit seinen Opfern zu diskutieren. Davon profitiert letztlich der Meister selbst. 2005 meldet sich Romero zurück mit "Land of the Dead" (2005) und lässt in der Endzeitfestung des Dennis Hopper die Tochter von Kumpel Dario Argento mit Zombies Gladiatorenkämpfe aufführen. Den meisten Fans gefällt das "Dawn of the Dead"-Remake trotzdem besser. Weil es aber nicht verboten ist, von der Formel abzuweichen, gibt es auch andere Sachen. Im britischen "Shaun of the Dead" von Romero-Fan Edgar Wright will trotz Zombiekatastrophe eine Beziehung gerettet werden. Und auch den besten Kumpel verstößt man nicht einfach, bloß weil der dir neuerdings das Fleisch von den Knochen reißen will. Die Horrorfans lachen wie seit "Braindead" nicht mehr, und im B-Movie-Wesen entdeckt man die romantische Zombiekomödie. "Boy Eats Girl" und "Zombie Honeymoon" sind billiger produziert, besitzen aber genug Charme und Originalität, um daneben zu bestehen. Sogar die Deutschen trauen sich endlich mit einem Zombiefilm hinter dem Ofen hervor, doch hat auf die Teenagerkomödie "Die Nacht der lebenden Loser" nicht wirklich jemand gewartet. Die einzigen, die sich diesmal kaum vom New Shit aus dem Westen anstecken lassen, sind die Asiaten. Außer "Tokyo Zombie" (Japan) und "Sars War - Tod allen Zombies!" (Thai) ist nicht viel gewesen. Ein geifernder Zombie scheint dort nicht ansatzweise soviel Schauder auszulösen wie etwa ein dicker Tausendfüßler, der aus einem schönen Frauenmund krabbelt.

In den 80ern zum Kulturgut geworden, hat der Zombie es nicht nur in Filmen und Musikvideos zu Ruhm gebracht. Auch die populären Computerspiele befleißigen sich des untoten Menschenfressers, um dem Ego-Shooter Futter und dem Spieler etwas zum Erschaudern zu geben. Der Kreis schließt sich, wenn das Computerspiel dann verfilmt wird. Das beste Beispiel dieser neuen Kunstsynthese ist sicherlich die 2002 von Paul Anderson (Brite) initiierte "Resident Evil"-Serie. Eine heiße Actionlady im Lara-Croft-Design ballert sich durch die Katakomben einer unterirdischen Versuchsanlage, in der es von Zombies nur so wimmelt. Der Erfolg ließ wenig Zweifel zu, und so geht nach "Resident Evil: Apocalypse" im Februar Teil 3 unter dem Titel "Resident Evil: Extinction" an den DVD-Start. Zombie-artige bevölkern neben allerhand anderem Ottergezücht die Keller der Videogame-Verfilmung "Doom", und wem alles egal ist, Hauptsache Zombies und Videogame, der lässt sich auch von Uwe Bolls "House of the Dead" die Sinne besudeln.

Zehn Klassiker des Zombiefilms :

  1. "Zombie": Romero auf der Höhe seiner Kunst beim "1-Mio.-Dollar-Film, der wie ein 20-Mio.-Film aussieht" (Roger Ebert).
  2. "Die Nacht der lebenden Toten": Minimaler Aufwand macht maximale Wirkung. Sieht immer noch aus wie ein böser Traum.
  3. "Shaun of the Dead": Herz, Humor und Zombies sind keine Gegensätze. Die Parodie, die ihre Vorbilder schlägt.
  4. "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies": Der ultimative Italozombie überzeugt mit Stil und unerreichten Szenen.
  5. "Dawn of the Dead": Das Remake, dass dem Original das Wasser reicht, hat die beste Eröffnung im Subgenre. Das will etwas heißen.
  6. "Braindead": Vielleicht die Splatterorgie des Jahrhunderts von dem Mann, der in Hollywood Geld drucken ging.
  7. "28 Days Later": In England mögen sie Zombies genauso wie in Deutschland. Schade, das wir nicht solche Filme machen.
  8. "Das Leichenhaus der lebenden Toten": Spaniens stimmungsvolle Antwort auf Romeros "Nacht". Ein Tip für Gourmets.
  9. "Resident Evil": Der Film, der einem Ego-Shooter am nächsten kommt, führt neben Milla Jovovich auch Zombies.
  10. "Zombies unter Kannibalen": Schenkte Gott der Bundesprüfstelle. Nur echt in deutscher Synchro (Blut, Töten, Zombie!).

Neben dem Computergame-Zombie unter anderem im Angebot: Das Zombie-Schaf. In "Black Sheep" aus natürlich Neuseeland speisen vormals friedvolle Paarhufer warmen Homo Sapiens, weil die Bioindustrie wieder beim Genpanschen geschlampt hat. So wie bei "Dead Meat", wo sich Rinderwahn als Ursache für zombiehaftes Betragen in irischen Cottages entpuppt. In "Una de Zombies" aus Spanien bekommen es Horrorfilmer mit zombifizierten Gangstern zu tun, und in dem nicht minder sehenswerten "Fido" aus Kanada entdeckt man den Untoten in letzter Konsequenz als Haustier, Drecksarbeiter und Statussymbol. Wie groß die Schwemme der B- und C-Zombiefilme in Wahrheit ist, wissen nur Leser dieser Zeitung. Ein paar Beispiele aus den letzten 12 Monaten: "Dead and Deader - Invasion der Zombies", "Return of the Living Dead V: Rave to the Grave", Zombies entern Tanzboden. "War of the Living Dead", Zombies halten Menschenfarmen. "Zombies", untote Kinderarbeiter rächen sich (Titel war noch frei!). "The Stink of Flesh - Überleben unter Zombies", No-Budget-Fressgemetzel. "Undead", "Night of the Creeps 2 - Zombie Town". Wirklich wichtig dagegen: "They Came Back" (F 2004 "Les revenants"), eine vergleichsweise ernsthafte Auseinandersetzung mit der massenhaften Rückkehr vom Tod, und der Sf-Schocker "The Signal", in dem sich Menschen nach Ausstrahlung eines elektronischen Signals in rasende Bestien verwandeln. Beide harren noch ihrer DVD-Veröffentlichung in Deutschland. Mit gemischten Gefühlen sehen Horrorfans dem "Day of the Dead"-Remake von Steve Miner mit Mena Suvari und Ving Rhames entgegen, und für 2009 rechnen viele mit einem neuen Beitrag von George Romero für die "Living Dead"-Reihe. Aber der ist ja dauernd mit etwas im Gespräch, was nicht passiert. Doch keine Sorge: Sein Zombie läuft auch ohne ihn. Und läuft.

Thomas Abel

Quelle: VideoWoche


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